"Hoch verehrter Herr N., wenn Sie es irgendwie möglich machen können ...zutiefst verbunden ...untertänigst Ihr...."
Also schritt ich eben mal zur Reception meines home away from home, um gnädigerweise einen bestimmten Eintrag in meinem Gästeprofil zurecht zu rücken. Gästeprofile sind so etwas wie das, was der Wirt in Ihrer Stammkneipe in seinem Kopf hat: Lasse Gast X nie an der Bar trinken, der rutscht immer vom Stuhl oder Herr N. bevorzugt einen Platz mit Rücken zur Wand, um dann genüsslich zu Boden gleiten zu können.
Hotels, insbesondere die der Premiumklasse, also die mit 27 Sternen aufwärts und der Auszeichnung "Goldener Gast in Eichenlaub", haben natürlich mehr Stil als Ihr Kneipier und profilen die guest preferences in ihrem guest relationship management system (vermutlich heisst es in Wahrheit iGuest und in billigeren Absteigen iGuess).
Da Frau S., seit Monaten meine Gastgeberin in der Abendschicht, mit einer Familie im Checkin-Modus war, druckte sie mir flugs etwas aus, mit der Bitte, handschriftlich die entsprechenden Änderungen vorzunehmen.
Ein Fehler ihrerseits, denn was ich in meinen feuchten Patschehändchen hielt, war der vollständige "Guest Passport". Neben überraschenden Informationen wie Name, Adresse, Rechnungsadresse etc. enthält der GP auch einige Untersektion.
So finde ich unter Room Preference richtigerweise "No connecting door" sowie einige andere von mir geäußerte Wünsche. Auffällig dagegen das Fehlen von Daten über die präferierte Beinlänge meiner Zimmerdame sowie den Brustumfang meiner Bettdeckenvorwärmerin. Das erklärt so manches.
Dagegen hat das Gastronomie-Team ganze Arbeit geleistet: Grappa, Old Fashioned tauchen ebenso in der Liste auf, wie der Vermerk "Bei Restaurant-Besuch ungefragt einen Martini bianco servieren"
Dining-Habits: Lustigerweise hat man hier meine Breakfast-Habits aufgenommen. Wenn ich die Formulierung in meinen eigenen Worten wiedergeben müsste, würde das etwas so klingen: Nicht ansprechen, sofort Kaffee servieren, englische Tageszeitung bereitlegen und nach etwa 5 Minuten einen Guten Morgen wünschen.
Ich bin enttäuscht. Ich dachte immer, dass meine Service-Fachkräfte meine Wünsche aus Liebe und Respekt zu mir verinnerlicht hätten. Jetzt muss ich feststellen, dass ich nur eine Nummer für sie bin, ein billiger Eintrag in ihrer Horrorkartei. Ich fühle mich benutzt.
Aber die Rache ist mein. Nächste Woche werde ich den Martini zurückgehen lassen, nur um mir einen Tag später doch einen zu bestellen. Die werden aus dem Aktualisieren ihres Systems nicht mehr rauskommen. Ich sitze eindeutig am längeren Hebel. Ich werde eine neue Trendsportart kreieren: Data-Hopping. Mal schauen, ob sie mir folgen können.
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