Seit einigen Jahren stelle ich fest, daß Urlaub müde macht. Wenn Kollegen und Bekannte so kuriose Wortgebilde wie "Akku wieder aufladen" oder "Frischzellentherapie für Körper und Seele" verwenden, um ein Erfolgskriterium für ihren Urlaub zu umschreiben, kann ich immer nur mit den Schultern zucken.
Ungestört ein Buch lesen, den Gedanken freien Lauf lassen ist mehr nach meinem Geschmack, aber dafür brauche ich keinen Urlaub. Schon am ersten oder zweiten Tag stelle ich an mir selbst fest, daß der Hang zum Zynismus schwächer wird, ich mich zunehmend weniger mit den diversen Kuriositäten und Monstrositäten des Lebens auseinandersetze. Ich will einfach nur jeden Tag mehr schlafen.
Ich vermute, dass mein Körper versucht, sich in 2 Wochen das wieder zu holen, was ich ihm 50 Wochen lange versage. Möglicherweise sollte ich mal meinen Körper in Urlaub schicken, während ich hier bleibe. So aber überträgt sich die köperliche Müdigkeit auf den Geist. Einzig positive Erkenntnis ist, daß mich Tagesaktualitäten nicht mehr erreichen. Kein politisches Sommertheater, keine Selbstinszenierung irgendwelcher Five-Minutes-of-Fame Schwachmatiker.
Einzig gestern konnte ich einmal richtig lächeln als ich einen Bericht auf der BBC Website sah, in dem die Einführung von bleifreier Munition diskutiert wurde. Green Wars, ein famoses Konzept das sich sicherlich ausbauen lässt. Wie wärs mit Sprengsätzen für Selbstmordattentäter, die nach erfolgreicher Zündung auch noch sofortkeimende Grassamen verteilen, damit man umgehend eine Gedenkstätte errichten kann? Oder eine Autokarosserie, die sich Dank Sollbruchstellen direkt in einen Sarg verwandeln lässt?
Ich geh jetzt wieder schlafen und wenn ich wieder aufwache, schicke ich meinen Körper in die Wüste...zum Wasser holen.
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